Monatsblutung, die vierte (Reinbluthöschen)

Monatsblutung, die vierte (Reinbluthöschen)

Reinbluthöschen sind Unterhosen (Schlüpfer, wie Oma sagen würde), in die man während der Periode reinbluten kann, weil unterschiedliche Materialien das Blut auslaufsicher auffangen. Man nennt sie auch Periodenunterwäsche, was auch nicht unbedingt sexy klingt. Es gibt sie mittlerweile in vielen Online-Shops und vielen Marken, oft auch mit fairer und nachhaltiger Herstellung.

Ich habe mich für welche von der Marke Thinx entschieden, meine Mitredakteurin testet Periodenunterwäsche von der Berliner Marke Ooshi. (Dieser Artikel enthält also Werbung, aber unbezahlt und auch ohne Gegenleistung der Marken.)

Model trägt Periodenunterwäsche Hip Hugger von Thinx | Foto: Heike Fröhlich

Model trägt Periodenunterwäsche Hip Hugger von Thinx | Foto: Heike Fröhlich

Bei Thinx wird versprochen, dass jedes Höschen die Blutmenge von zwei regulären Tampons auffängt, Ooshi sprechen in ihren FAQs von zwei bis drei Normal-Tampons – so kann man in etwa überlegen, wie oft man dann den Schlüpfer wechseln müsste und wofür man die Höschen verwenden möchte.

Es gibt natürlich die Möglichkeit, ganz auf die Höschen umzusteigen, weil man beispielsweise keine Lust mehr hat, sich monatlich Fremdkörper in die Vagina einzuführen. Man kann die Schlüppis aber auch prima zusätzlich zu Tampons, zur Menstruationstasse oder zum Levantinerschwämmchen verwenden, einfach um sich an starken Tagen abzusichern. Oder man ersetzt nur an leichten Tagen die Einführprodukte durch die Höschen für mehr Komfort.

Vorteile

  • einfache Anwendung und man muss nichts einführen, das heißt: kein Toxisches Schocksyndrom (TSS) Risiko

  • somit auch kein Austrocknen der Vaginalschleimhäute, keine Veränderung der Vaginalflora und keine Verletzung der Schleimhäute beim Einführen

  • Tragekomfort

  • je nach Marke nachhaltiges und ethisch unbedenkliches Produkt

  • wiederverwendbar

  • man sieht zwar nicht die Blutmenge, aber man spürt das eigene Blut laufen (geeignet, wenn man die Haltemethode üben will)

  • eventuell weniger Regelschmerzen (siehe weiter unten den Erfahrungsbericht zu Ooshi)

Nachteile

  • Beschaffung derzeit noch nur durch Versandhandel

  • vergleichsweise teuer bei der Erstanschaffung

  • aufwändige Reinigung

  • nicht geeignet an sehr starken Tagen oder bei sehr starker Blutung

Details

Tragedauer:

  • Thinx: ca. 3-8 Stunden je nach Höschen und Blutung, problemlos über Nacht

  • Ooshi: etwas länger; bis maximal 10-12 Stunden – auch hier natürlich je nach Stärke der Blutung

Kosten und Beschaffung:

  • Thinx: nur per Online-Bestellung, ca. 30 – 36 Euro pro Höschen, etwas günstiger im Set, plus Versandkosten; und da sie aus den USA kommen, kann auch noch Zoll anfallen, bei mir waren es 30 Euro

  • Ooshi: ebenfalls nur online erhältlich (Lieferzeit ca. 1 Woche), ca. 38 – 45 Euro pro Höschen, im Sparangebot mit 15% Rabatt, plus 3,50 Euro Versandkosten

Öffentliche Toiletten:

Kein Problem auf öffentlichen Toiletten, logischerweise. Wenn man das Höschen wirklich mal unterwegs wechseln muss, kann man das machen. Ein Baumwollsäckchen eignet sich zum Transport des benutzten Slips. Keine Angst, der riecht nicht und ist auch nicht triefend voll.

Reinigung und Aufbewahrung:

Am besten spült man die gebrauchten Höschen gleich nach Benutzung mit kaltem Wasser aus. (Achtung: Unbedingt kaltes Wasser verwenden, da warmes das Blut gerinnen lässt.) Dann kann man sie ganz normal in die Waschmaschine stecken: kalter Waschgang oder 30 Grad (Thinx) bzw. 40 Grad (Ooshi). Keine Sorge, der Rest der Wäsche kommt unbefleckt durch!

Sauna- und Schwimmbad:

Hier muss man zusätzlich auf Tampons (auch schnurlose Tampons), eine Mensturationstasse oder das Levantiner Schwämmchen zurückgreifen. Das Höschen beim Schwimmen anzubehalten ist nicht so ratsam, da es sich dann vollsaugt und das Blut nicht mehr auffängt.

Erfahrungsbericht zu Thinx

Wenn ich ehrlich bin, würde ich am liebsten Schwämmchen und Menstruationstasse durch die Höschen ersetzen (Tampons benutze ich schon lange nicht mehr). Ich mag die Vorstellung, mir nichts mehr einführen zu müssen. Aber ich bin nicht ganz überzeugt, dass es klappt. Für mich würde eine Umstellung nur dann Sinn ergeben, wenn ich die Höschen nur einmal morgens und einmal abends wechseln müsste. Tagsüber zwischendurch wäre irgendwie doof.

Ich hab mich für Thinx entschieden, einfach, weil die Werbung gewirkt hat. Das Sortiment ist inzwischen recht groß: Es gibt sieben Modelle, von denen es einige in vier Farben und unterschiedlichen Größen gibt, dazu eine Bio-Baumwoll-Serie, eine besonders dünne Variante („Thinx Air“) und Sportkleidung. Ich nehme den Hip Hugger, klingt gemütlich und ist sowieso meine favorisierte Unterwäscheform. In schwarz, klassisch, da kann ich nichts falsch machen.

Erstmal heißt es warten und dann muss ich 30 Euro zusätzlichen zahlen. Für den Zoll, na toll. Aber dafür fühlen sie sich sehr hochwertig an, sind super bequem zu tragen (Hip Hugger macht seinem Namen alle Ehre!) und sehen auch noch ultra gut aus! Das erste Tragen ist der Wahnsinn, ich würde am liebsten einfach nie wieder andere Unterwäsche tragen!

Model trägt Reinbluthöschen von Thinx | Foto: Heike Fröhlich

Model trägt Reinbluthöschen von Thinx | Foto: Heike Fröhlich

Nach zwei Perioden bin ich semi-begeistert. Die Höschen sind sehr angenehm und ich kann sie relativ lange tragen. Ausgelaufen sind sie bisher nicht, aber wenn sie voll sind, wird es unangenehm, weil es sich dann nass im Höschen anfühlt, von außen sind sie dann leicht feucht. Ansonsten hat man ein relativ trockenes Gefühl, ähnlich wie bei Binden. Und ähnlich wie bei Binden ist auch, dass man sich nie so ganz sicher fühlt, vielleicht kommt das noch. Auf jeden Fall sind die Höschen aber viel, viel, viel bequemer als Binden, Tampons oder Menstruationstassen. Das ist ein großes Plus! Oh, und es entstehen keine unangenehmen Gerüche!

So ganz habe ich mich noch nicht daran gewöhnt, dass ich spüre, wann mein Blut läuft. Ich habe gelesen, dass es Frauen gibt, die ihr Blut eine Weile halten können und es dann natürlich über der Toilette ablaufen lassen. Das will ich ausprobieren und dafür sind die Schlüppis geeignet. Tatsächlich funktioniert das auch einigermaßen, so dass viel Blut gar nicht erst im Höschen, sondern in der Toilette landet. Das Problem daran ist, dass ich auch nachts spüre, wenn es läuft. Ich wache dann auf und muss aufs Klo – nicht weil ich muss, sondern weil das Blut läuft. Das passiert so alle zwei Stunden und ist so nervig, dass ich zumindest an den starken Tagen nachts jetzt wieder meine Menstruationstasse benutze.

Für mich hat sich die Investition gelohnt. An den letzten drei Tagen meiner Periode brauche ich nichts mehr außer die Höschen (auch nicht des Nachts). Ich bevorzuge sie, weil sie so bequem sind und mir ein gutes wohlfühliges Gefühl geben.

– RF

Erfahrungsbericht zu Ooshi

Zwei Dinge muss ich vorweg schicken: Ich habe meistens eine relativ geringe Blutung – meine Periode dauert oft nur drei, vier Tage und ich kam bisher an den letzten beiden Tagen nachts meist ganz ohne Tampon aus, nur mit Slipeinlage. Deshalb ist das hier vielleicht gar nicht so sehr als ein Erfahrungsbericht speziell zu Ooshis zu lesen, sondern als Erfahrungsbericht zu Periodenunterwäsche allgemein, von einer Person, die nicht sehr stark blutet.

Darum ist die Überraschung vermutlich auch nicht groß: Ich bin absolut begeistert.

Ich habe mir drei Höschen gekauft (die Hipster-Variante in schwarz, im Spar-Set), habe sie inzwischen über vier Zyklen hinweg getestet und komme damit, in Kombination mit dünnen Stoffbinden + normalen Unterhosen nachts und gegebenenfalls einmal waschen zwischendrin, vollständig aus. Sprich, ich konnte mit den drei Höschen problemlos und komplett alle Einführprodukte ersetzen.

Es gab, vor allem beim ersten Tragen, immer wieder kleine Schreckmomente, in denen ich dachte, jetzt ist’s passiert, jetzt ist alles voll. Aber: Nix da, die Höschen saugen und halten richtig, richtig gut – und fühlen sich erstaunlich lange trocken an. Und riechen wirklich nicht. Mir geht es außerdem inzwischen ähnlich wie Rebecca: Ich kann allmählich immer besser spüren, wann das Blut läuft, und es dann in der Toilette ablassen, was die Höschen „schont“. Allerdings habe ich nicht das gleiche Problem nachts (vermutlich weil ich eben weniger blute).

Die größte Überraschung ist für mich, dass ich den Eindruck habe, dass meine Regelschmerzen deutlich besser geworden sind durch das Tragen der Höschen. Als würde der Fremdkörper, der sonst in mir steckte, noch weitere Krämpfe verursachen … Oder es liegt daran, dass ich das Blut anders laufen lassen kann? Ich kann das natürlich nicht beweisen, und vielleicht liegt es auch an anderen Faktoren, aber ich habe jedenfalls einen deutlichen Unterschied in den letzten Zyklen gemerkt.

Was ich noch konkret zu Ooshi sagen kann: Die Höschen sind etwas heißer waschbar als die Thinx (nämlich bei 40 Grad) – das war für mich ziemlich überzeugend! Als ich sie allerdings das erste Mal aus der Wäsche zog, war ich etwas entsetzt, weil sich am Bündchen bereits erste Fäden lösten. Das schrieb ich dem Ooshi-Service, die aber wiederum sehr kulant reagierten und mir einen Teil meines Kaufpreises erstatteten, und mir mitteilten, dass sie sich immer noch im Entwicklungsprozess der Materialien befinden. Ich konnte die Fädchen einfach abschneiden, und es löste sich bei den nächsten Wäschen nichts weiter auf.

Ansonsten mag ich es, dass das Ganze ein frauengeführtes Start-Up in Berlin ist, und ich mag, dass sie zumindest in Teilen auch auf nicht-weiße, nicht-superdünne Models setzen (was Thinx allerdings noch viel mehr macht). Es gibt außerdem bisher weniger Design-Optionen als bei Thinx, dafür werden alle Modelle aber fair in Europa produziert und sind hier ohne Zollkosten bestellbar. Außerdem sind die Ooshis komplett aus Naturfasern und ohne Nano-Partikel hergestellt.

– RK


Dies ist der vierte Teil einer Reihe über Hygieneprodukte für die weibliche Periode.

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