gepflegte Hysterie & feministischer Diskurs #reclaimhysteria

Monatsblutung, die erste (Tampons)

Monatsblutung, die erste (Tampons)

Bloody Hell

Ich drücke mich jetzt seit fast einem Jahr davor, diesen Artikel zu schreiben. Es geht um ein Thema, das irgendwie immer noch ein Tabuthema ist: die weibliche Monatsblutung. Von der blauen Flüssigkeit in der Werbung bis hin zu Tampons, die übergeben werden, als handle es sich um Drogen in der hood: Überall im Alltag stoße ich auf Anzeichen dafür, dass Regelblut und Perioden immer noch mit Scham, Ekel und Unbehagen behaftet sind. Und auch mir ist es tendenziell unangenehm, über meine Erfahrungen und Probleme mit meiner Monatsblutung öffentlich zu berichten. Dabei haben fast alle Frauen einmal im Monat dieselben Probleme wie ich. Ich finde es zwar unglaublich wichtig darüber zu sprechen - dennoch kommt es mir gleichzeitig irrsinnig banal vor.

Ich und meine Regel(n)

Ich hatte in meinem Leben an gut 840 Tagen meine Monatsblutung. Das sind 840 Tage, an denen ich mit meinem abfließenden Blut zu kämpfen habe. Ich will mich wohlfühlen und schmerzfrei und gesund sein, ich will auch an diesen Tagen zum Schwimmen an den See zu fahren und ich will keine Blutflecken in meinen Jeans. Lange Zeit dachte ich, es gäbe keine Alternative zu Tampons und Binden. Seit einigen Jahren weiß ich, dass es welche gibt, und ich habe mit ihnen inzwischen einige Erfahrungen gesammelt.

 Foto:  Ara Eden

Foto: Ara Eden

Das frustrierende Ergebnis dabei ist: Es gibt keine perfekte Lösung. Period. Wie auch Anne Tembel in der letzten Ausgabe des Missy Magazine schreibt: "(I)ch finde Menstruieren generell nicht sehr praktisch." Die gute Nachricht ist: Es gibt so viele Möglichkeiten, die sich auch untereinander kombinieren lassen, dass man sich je nach Tagesform oder -ablauf (haha), Periode oder Lebensphase flexibel die beste Lösung zusammenstellen kann.

Natürlich funktioniert nicht alles für jede* und was jetzt funktioniert, wird vielleicht in ein paar Jahren zu mühselig. Auch ich wechsle immer wieder zwischen einzelnen Methoden. Und werde nun monatlich über meine Erfahrungen berichten.

Tampons

Tampons erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Das mag zum einen daran liegen, dass sie neben Binden wahrscheinlich das bekannteste Hygieneprodukt sind, aber zum anderen auch daran, dass sie wirklich praktisch sind. Nicht nur in der Anwendung, sondern auch in der Beschaffung. Allerdings haben sie auch Nachteile, sowohl für die Gesundheit als auch für die Umwelt.

Vorteile:

Leichte Beschaffung, (relativ) leichte Anwendung, praktisch.

Nachteile:

Evtl. Austrocknung der Schleimhäute; evtl. Rückstände von Fusseln, die vermehrten zu Vaginalpilzen führen können; Veränderung der Scheidenflora; Wegwerfprodukt; Gefahr eines toxisches Schocksyndrom (TSS); häufiges Wechseln nötig.

Tragedauer:

Je nach Größe 2-8 Stunden. (Eine längere Tragedauer sollte wegen der Gefahr des toxischen Schocksyndroms (TSS) unbedingt vermieden werden!)

Kosten und Beschaffung:

In jedem Supermarkt und in jeder Drogerie erhältlich, ca. 1-4 Euro für 16 Stück.

Klingt billig? Ist es aber nicht. Tampons werden in Deutschland (und in vielen anderen Ländern) nicht mit dem Mehrwertsteuersatz für Dinge des täglichen Bedarfs versteuert (7%), sondern gelten als "Luxusartikel". Der Steuersatz hierfür liegt bei 19%. Hier geht es zur Petition zur Abschaffung der Tamponsteuer.

Alternative Tampons:

Eine ökologischere und gesündere Alternative sind Tampons aus reiner, biologischer Baumwolle. Sie haben gegenüber herkömmlichen Tampons den Vorteil, dass sich keine Fusselrückstände in der Vagina verbleiben und sie die Scheidenflora nicht so stark angreifen. Laut Packungsbeilage besteht aber auch bei biologischen Tampons die Gefahr TSS zu bekommen. Kaufen kann man sie in Biomärkten und im Internet bei ungefähr 3-4 Euro für 16 Stück.

Eine (teure) Alternative für Sport und Schwimmen sind sogenannte Soft Tampons. Sie sehen aus wie Beauty Blender, rosa in Herzform (kein Witz!) und sind nicht aus Watte sondern aus Schaumstoff. Sie haben kein Schnürchen. Man feuchtet sie an, führt sie mit den Fingern ein und drückt sie später mit den Beckenbodenmuskeln wieder raus. Verkauft und vermarktet werden sie als gefühlsechte Tampons, die man beim Sex tragen kann. Mir stellt sich die Frage, warum man das tun sollte. Um zu vermeiden, dass das Bett hinterher einem Blutbad gleicht? Oder geht es nur wieder um den gesellschaftlichen Druck, dass Nicht-Menstruierende unter keinen Umständen mit Blut behelligt werden dürfen? 

Öffentliche Toiletten:

Der größte Vorteil an Tampons ist für viele, dass sie auch auf öffentlichen Toiletten einfach und hygienisch angewendet werden können. Altes Tampon raus, neues Tampon rein, Hände waschen, fertig. Dass das praktisch ist, lässt sich nicht leugnen!

Sauna- und Schwimmbad:

Mit Tampons kann man sowohl ins Schwimmbad als auch in die Sauna gehen. Besonders angenehm ist beides nicht, denn die Tampons saugen sich mit Schwimmbadwasser voll, werden schwer und müssen häufig gewechselt werden. Sie fühlen sich nicht sehr auslaufsicher an. Zusätzlich hatte ich immer Angst, dass das Schnürchen aus der Bikinihose hängen könnte und in der Sauna wickle ich mich deshalb immer ganz fest in mein Handtuch ein.

Persönliche Erfahrung:

Tampons haben für mich lange Zeit funktioniert, aber nur, weil ich mich mit ihnen arrangieren musste. Die ersten paar Male Einführen (mit 14 Jahren!) waren schwierig und unangenehm, aber mit ein bisschen Übung sind Tampons sehr einfach anzuwenden. Dann fühlen sie sich auch meistens sicher an, bis auf ein feuchtes Gefühl im Höschen hin und wieder.

Allerdings trocknen Tampons die Schleimhäute aus, was sich bei mir nicht nur unangenehm anfühlt, sondern weh tut. Richtig weh. So weh, dass ich an den Tagen 3, 4 und 5 meiner Periode große Probleme beim Einführen habe. Es fühlt sich an wie das Geräusch von Strohhalmen in Plastikdeckeln. Ich habe an diesen Tagen dann oft auf Tampons verzichtet, stattdessen Binden benutzt oder es einfach auf Blutflecken in Unterhosen ankommen lassen. Wie sehr mich dies wirklich beeinträchtigte, habe ich erst gemerkt, als ich aufgehört habe, Tampons zu benutzen.

Außerdem haben Tampons den Nachteil, dass sie den Ekel vor dem eigenen Blut fördern, weil sie als Wegwerfprodukte einfach Müll sind. Was im Körper passiert, soll im Körper bleiben. Von vollgesogenen Tampons will man sich immer so schnell wie möglich entledigen. Da das Blut in sie hineinfließt, sieht man auch nicht wirklich, wie viel man blutet oder wie die Konsistenz des Blutes ist. Wenn es um die Menstruation geht, heißt es oft: Bloß nicht zu genau hinschauen, ist eklig. Mein Blut ist aber nicht eklig. Lieben gelernt habe ich es aber erst, seitdem ich keine (oder nur noch ganz selten) Tampons benutze.

Fazit

Tampons sind weder gut für den Körper noch für das Körpergefühl. Auch für die Umwelt stellen sie eine Belastung dar. Trotzdem hat ihre Benutzung gewisse Vorteile. Sicherlich sind sie neben Binden für den Anfang gut geeignet, da sie sehr leicht anzuwenden sind und es auch sehr, sehr kleine Größen gibt. Obwohl ich bessere Alternativen für mich gefunden habe, habe ich immer Tampons in der Tasche, falls ich mal überrascht werde.

To be continued.

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