gepflegte Hysterie & feministischer Diskurs #reclaimhysteria

Das Pferdemädchen

Das Pferdemädchen

   
  
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   ©  Nate Beaty/Flickr

 © Nate Beaty/Flickr

Zum Auftakt der vierten Staffel der Netflix-Animationsserie BoJack Horseman möchten wir euch das kreative Genie vorstellen, das hinter der wunderbar weirden Ästhetik der Serie steckt: die Illustratorin Lisa Hanawalt.

I want to be famous for drawing horses someday”. Dieses steile Karriereziel setzt sich eine pferdenärrische 12-jährige irgendwann in den 90ern in einem Schulaufsatz zum Thema „About myself“. Zwanzig Jahre später ist der Plan des Pferdemädchens von damals tatsächlich aufgegangen: Lisa Hanawalt hat mit BoJack Horseman das wohl berühmteste Pferd der jüngeren Filmgeschichte erschaffen.

Für alle, die BoJack Horseman noch nicht kennen sollten: Die gleichnamige Erwachsenen-Animiationsserie handelt von dem abgehalfterten Pferdemann BoJack, dem einst gefeierten Serienstar einer 90er-Jahre-Sitcom. Inzwischen verbringt BoJack seine Zeit aber hauptsächlich im Bademantel vor dem Fernseher, wo er sich Mitschnitte seiner eigenen Sendung ansieht und sich dabei hemmungslos besäuft. BoJack sucht verzweifelt Anerkennung und Zuneigung, stößt seine Umwelt aber ständig mit rücksichtlosen Exzessen vor den Kopf: seine Agentin Princess Carolyn, eine arbeitssüchtige Perserkatze, die ihrem Exfreund und Klienten wieder zu neuem Ruhm verhelfen will, seinen Mitbewohner Todd Chavez, der sich auf BoJacks Couch eingenistet hat und ein Faible für Improvisationstheater und geniale Geschäftsideen hat, und schließlich die sarkastische Diane Nguyen, Ghostwriterin seiner Biographie und Ehefrau von BoJacks Frenemy, dem immerfröhlichen Labrador MrPeanutbutter.

Menschen und Tiere leben einträchtig in dem animorphen Universum von „Hollywoo“ zusammen, einer schrillen Scheinwelt, die ebenso wie das echte Hollywood von Stars, Sternchen und heruntergekommen C-Promis bevölkert wird. Vor dem Hintergrund der überdrehten Hollywoodsatire entfaltet sich ein bewegendes, oft erschütterndes Drama, das von Alkohol- und Drogensucht, Einsamkeit, Depression, und den Konsequenzen falscher Lebensentscheidungen erzählt.

Verantwortlich für die einzigartige Ästhetik der Serie ist die gnadenlos begabte Illustratorin Lisa Hanawalt. 1981 geboren, wächst Hanawalt in Palo Alto in Kalifornien auf. Wie viele kleine Mädchen begeistert sie sich für Pferde. Statt sich aber nur mit Reitstunden und Ferien auf dem Ponyhof zufrieden zu geben, krabbelt Lisa zu Hause auf allen Vieren herum und fragt ihre Mutter, ob Menschen Pferde heiraten dürfen. Diese übergroße Tierliebe stößt bei ihrer Umwelt auf wenig Verständnis – Mitschüler hänseln sie, Eltern machen sich Sorgen. Sie schämt sich und spricht zwei Jahrzehnte nicht mehr von den heißgeliebten Vierbeinern. Dann bekommt sie 2010 eine Email von ihrem ehemaligen Highschool-Freund Raphael Bob-Waksberg, der sie fragt, ob sie ihm nicht eine ihrer animorphen Pferdezeichnungen für seine Serienidee Bojack The Depressed Talking Horse schicken könne. Die fanatische Pferdeleidenschaft seiner Mitschülerin hat ihn wohl nachhaltig beeindruckt.

Hanawalt, die nach einem Illustrationsstudium an der UCLA inzwischen in New York City lebt, wo sie sich mit einem Sekräterinnenjob über Wasser hält und an verschiedenen Illustrationsaufträgen (u.a. für Vanity Fair, Vice und die New York Times) arbeitet, willigt zunächst zögerlich ein. Hanawalt und Bob-Waksberg arbeiten erst an dem Pitch, später an der Pilotfolge – mit Erfolg: 2014 kauft der Streaminganbieter Netflix BoJack Horseman als seine erste Animationsserie und Lisa Hanawalt zieht zurück nach L.A.

Seitdem erschafft sie als Produktionsdesignerin gemeinsam mit einem Team die kunterbunte Welt von Hollywoo und seiner Bewohner. Dass die vielfach ausgezeichnete Serie zu den besten Animationsproduktionen der letzten Jahre gehört, liegt nicht zuletzt an ihrer starken visuellen Erzählkraft. Von der Inneneinrichtung der Räume bis hin zur Kleidung der Charaktere bleibt nichts dem Zufall überlassen.  Hanawalt möchte, dass der Zuschauer den Stream jederzeit anhalten und im jeweiligen Bild interessante Details entdecken kann. Ob Filmplakate, T-Shirt-Aufdrucke, im Hintergrund laufende Nachrichten oder das Muster auf BoJacks Schlafanzughose – fast überall finden sich augenzwinkernde Bezüge zum Tierreich, Seitenhiebe auf das Filmbusiness und popkulturelle Referenzen. So komplex und clever sind die Szenerien, die Hanawalt und ihr Team erschaffen, dass sogar eine völlig dialogfreie Folge (Staffel 3, Folge 4: „Fish Out of Water“) funktioniert – und das gleich so genial, dass sie von Kritikern zu den besten (und berührendsten) TV-Momenten 2016 gekürt wurde.

Darstellungsklischees werden konsequent hinterfragt und verändert: Insbesondere die sich hartnäckig haltende Gewohnheit, Figuren grundsätzlich erst einmal männlich zu besetzen, greift Hanawalt entschieden an. In Hollywoo soll jede noch so kleine Nebenfigur interessant – und gerne auch weiblich sein. Lisa Hanawalt entwirft menschliche und tierische Frauen, die visuell in keine Schublade passen: sind mal dick, mal dünn, alt oder jung, und tragen High Heels, graue Haare oder Hijab.

Einen tieferen Einblick in Hanawalts umfangreiches künstlerisches Schaffen jenseits von BoJack Horseman geben ihre bisher erschienenen Bücher, My Dirty Dumb Eyes und Hot Dog Taste Test. Beide Werke sind eklektische Sammlungen aus Skizzen, Comics, journalistischen und industriellen Auftragsarbeiten und tagebuchähnlichen Einträgen. Lisa Hanawalt malt und schreibt über alles, was ihr am Herzen liegt: Essen, Genitalien (und was man mit ihnen so alles anstellen kann), Pflanzen, Filme und Celebrities, Reisen, doch vor allem: Tiere. Die haben oft (anatomisch äußerst korrekte) Menschenkörper und kämpfen mit ganz alltäglichen Problemen – in der Therapiestunde, im Flugzeug oder beim Badeanzug-Shoppen.

Hauptsächlich mit Wasserfarben und Buntstiften gezeichnet, sind ihre Comics und Zeichnungen scharfsinnig, lustig und herrlich schamlos. Last but not least betreibt sie als Nebenprojekt den (superlustigen!) Podcast Baby Geniuses, wo sie gemeinsam mit ihrer Freundin, der Comedian Emily Heller, wöchentlich Gäste zu obskurem Randwissen jeder Art interviewt. Um den Kopf von der vielen Arbeit freizukriegen, töpfert Lisa Hanawalt übrigens (süße Tiere mit – natürlich – Brüsten und Penissen) und reitet.

Pferde werden wohl immer ihre große Leidenschaft bleiben. In einem Interview wurde sie gefragt, was denn ihr Plan für die Zeit nach BoJack sei. Ihre Antwort: „Maybe in 15 years I’ll move to the desert to make ugly pottery and train horses.” Klingt fantastisch.

BoJack Horseman ist abrufbar beim Streamingdienst Netflix. Viele von Hanawalts Arbeiten kann man sich auf ihrer Website ansehen: www.lisahanawalt.com

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